[Sp. [869/870]:]
DRITTER THEIL.
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GESCHICHTLICHES.
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[leer]
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I. Umriss einer Geschichte der meteorologischen Beobachtungen in Deutschland.
In der Geschichte der meteorologischen Beobachtungen aller Länder lassen sich drei Perioden
unterscheiden.
Die erste umfasst die Zeit der Aufzeichnungen ganz allgemeiner oder auffälliger
Witterungserscheinungen ohne Zuhülfenahme von Instrumenten und reicht bis zur Epoche der
Erfindung des Barometers und Thermometers, also bis gegen die Mitte des XVII. Jahrhunderts;
die zweite begreift den Zeitraum der ersten meteorologischen Beobachtungen mittels
zweckdienlicher Instrumente sowie der ersten von einzelnen Personen und von Korporationen
ausgehenden Versuche zur Erlangung korrespondirender Beobachtungen über grössere
Ländergebiete; die dritte endlich hebt da an, wo zuerst der Staat für die Einrichtung und den
regelmässigen Unterhalt eines meteorologischen Beobachtungsnetzes Sorge trägt.
[Beobachtungen ohne Instrumente.] Die erste dieser Perioden ist die längste. Sie umfasst mehr
als ein Jahrtausend, ja sie dauert, in gewissem Sinne, heute noch fort und wird nie ein Ende
nehmen; denn es wird immer Leute geben, die, ohne im Besitz meteorologischer Instrumente zu
sein, sich regelmässige Notizen über die Witterung machen werden.
Betrachten wir zunächst, wodurch diese Periode, die in Deutschland nicht vor dem Jahre 1680
als a/jointfilesconvert/330930/bgeschlossen betrachtet werden kann, charakterisirt ist und welche Stadien der Entwicklung
sie aufweist.
Obwohl die Erfindung zweier meteorologischen Instrumente, des Anemometers und des
Hygroskops, in diese Periode fällt, so scheint doch innerhalb derselben von ihnen keinerlei
Gebrauch zu regelmässigen Beobachtungen gemacht worden zu sein, so dass der erste von uns
unterschiedene Zeitraum durch das Fehlen instrumenteller Beobachtungen gekennzeichnet wäre
- a/jointfilesconvert/330930/bgesehen höchstens von der Windfahne, oder, für jene Zeit besser gesagt, von dem
„Wetterhahne“, der indess in den weitaus meisten Fällen zur Beurtheilung der Windrichtung
nicht grade nothwendig war und ist. Ohne eigentliche Instrumente lässt sich nun zwar, wie wir
bei dem jetzigen ausgebildeten Stande meteorologischer Beobachtungsmethoden wissen,
Mancherlei beobachten, was bei richtiger Interpretation und unter. Voraussetzung der
Kontinuität und Gleichartigkeit der Aufzeichnungen zu werthvollen Resultaten hinsichtlich der
Erkenntniss meteorologischer und insbesondere klimatologischer Erscheinungen führen kann;
indessen treffen diese Voraussetzungen für jene Periode nicht zu, oder doch höchstens für den
letzten Theil derselben. Sie sind vielmehr, dessen scheint man sich nicht immer bewusst zu sein,
das Produkt der Neuzeit mit ihren internationalen Vereinbarungen, die insbesondere auf
Gleichförmigkeit in den Principien der Beobachtungen, sowohl mit als ohne Instrumente,
abzielen.
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Gleichwohl sind die ältesten Witterungsnotizen, auch wenn sie diesen Bedingungen nicht
genügen, keineswegs werthlos zu nennen. Wenn man bisher wenig Gebrauch Von ihnen
gemacht hat, so mag dies wohl hauptsächlich daran liegen, dass sie, theils in Archiven vergraben
und schwer zugänglich, theils in Chroniken oder selbstständigen Schriften publicirt, doch den
Fachleuten so gut wie unbekannt geblieben sind. Beweis dafür ist die geringe Ausnützung
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