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Die Gesellschaft wandte sich daher zunächst in einem Cirkular an alle grossen in- und
ausländischen wissenschaftlichen Korporationen, sowie an einige Privatgelehrte, mit der
Aufforderung zur Theilnahme an dem Unternehmen, und erhielt alsbald so viele Anerbietungen
zur Uebernahme der geforderten meteorologischen Stationen, dass nur eine zweckmässige
Auswahl getroffen und vorerst an 57 verschiedene Orte vollständige Instrumentensätze,
Instruktionen und Beobachtungsformulare gesendet werden konnten. Die Instrumente, welche
auf Kosten des Staates und unter der Leitung Hemmer’s in Mannheim selbst gefertigt und
geprüft wurden, waren ein Gefässbarometer [mit der Inschrift: „CAROLUS . THEODOR .
ELECTOR . PALATINUS . MUSAGETES. 1780.“] in Pariser Zolle und Linien getheilt und mit
einem Nonius sowie einem ins Barometerbrett eingelassenen Reduktionsthermometer versehen;
zwei Thermometer zur Beobachtung der Temperatur im Schatten und in der Sonne, deren
80theilige Skale von Holz war; ein Federkiel-Hygrometer nach Deluc
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); ein Regen- und ein
Verdunstungsmesser; eine Windfahne (Anemoskop); ein Elektrometer und in einigen Fällen
auch ein Deklinatorium, welches der geschickte Brander in Augsburg damals zu ziemlicher
Vollkommenheit in der Konstruktion gebracht hatte. Aus der für die Beobachter bestimmten
Instruktion ist besonders hervorzuheben, dass das Einhalten dreier fester Beobachtungstermine,
nämlich 7. 2. 9, zur besonderen Pflicht gemacht wurde; dass die Grösse der Himmelsbedeckung
nach der Skale 0 (ganz unbedeckt) bis 4 (ganz bedeckt) sowie die Stärke des Windes nach der
analogen 0 (windstill) bis 4 (Orkan) geschätzt und dass zur Bezeichnung der Hydrometeore und
anderer Erscheinungen symbolische Zeichen
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) - meines Wissens zum ersten Male überhaupt -
gebraucht werden sollten. Welch’ grosser Fortschritt schon allein in der Formulirung dieser
Vorschriften liegt, kann man daraus ermessen, dass z. B. noch ein Jahr zuvor der oben genannte
Böckmann gemeint hatte „Eine Viertel oder halbe Stunde macht hierinn eben keinen grossen
Unterschied“, und dass ein halbes Jahrhundert später Muncke es von „untergeordneter
Wichtigkeit“ erklärt, „ob die Aufzeichnung täglich einmal oder etliche Mal und an welchen
Stunden sie geschieht.“ Die „Mannheimer Stunden“, die „Mannheimer Bewölkungs- und
Windskale“ sind in der That bis auf den heutigen Tag in so allgemeinem Gebrauche geblieben,
dass sie an sich schon genügen würden, das grossartige Wirken der Mannheimer Societät und
ihren Einfluss auf die spätere Entwickelung der Meteorologie zu dokumentiren. Ein noch
grösseres Denkmal hat sie sich jedoch in den von ihr herausgegebenen „Ephemerides Societatis
Meteorologicae Palatinae“ gesetzt. Dieselben enthalten in zwölf stattlichen Quartbänden die
Beobachtungen von im Ganzen 39 Stationen in extenso und bilden für die folgenden Jahrzehnte
fast die alleinige Quelle für brauchbares Beobachtungsmaterial zu meteorologischen
Untersuchungen. H. W. Brandes geht bei seinen ersten synoptischen Witterungsuntersuchungen
auf dieselben zurück, J. Schön und später Kämtz leiten klimatologische Mittelwerthe aus ihnen
ab, und Dove spricht noch im Jahre 1839 den Wunsch aus, dass von einer wissenschaftlichen
Gesellschaft eine erschöpfende Ausnützung des in ihnen aufgespeicherten Materials ins Werk
gesetzt würde. Den Inhalt der einzelnen Jahrgänge, welche ausser den Beobachtungen auch
meteorologische Abhandlungen der Gesellschaftsmitglieder in sich begreifen, habe ich bei
Mannheim II–XIII so ausführlich analysirt, dass es hier genügen wird, die Vertheilung der 39
Stationen nach Ländern aufzuführen
3
):
1) Wegen der Mangelhaftigkeit desselben wurde als Preisfrage fürs Jahr 1781 die Verbesserung des „Hygrometrum.
ex caule anserino“ aufgestellt; elf Preisbewerbungen gingen ein, aber „Nemo menti academiae omnino fecit satis“,
so dass der Preis von 50 Dukaten zu gleichen Theilen an Chiminello und Toaldo vergeben wurde.
2) Genau so, wie wir es heute erfahren, konnten sich auch damals Einige an den Gebrauch dieser nützlichen
Symbole nicht gewöhnen. Hemmer
giebt im Jahrgange 1785 der Ephemeriden die Ermahnung: „Ne aut volumina,
aut haec edentium labores, inutiles augeantur, observatores omnes vehementer oratos volumus, ut ne longioribus
verbis in annotationibus specialibus dicant, quod signis a nobis receptis brevius exprimi et in propriis tabularum
columnis referri potest“.
3) Zur Bestreitung der Publikationskosten der Ephemeriden gab der Kurfürst jährlich etwa 1700 M., der Rest der
Auslagen wurde durch Subscriptionen gedeckt. Im Jahre 1787 veranlasste der geringe Ausfall derselben eine
Reduktion in der Veröffentlichung, welche mit dem Jahrgang 1789 wieder aufhört. „De cetero breviorem hanc
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