
Beobachtungsresultaten derselben werden jedoch nur Monatsrésumés in München (B) 1
publicirt.
Schon im Juni 1879 erfuhr die Thätigkeit der Centralstation eine Erweiterung durch Einrichtung
eines dichten Netzes von Stationen zum Beobachten der Gewitter.
„Die Anregung zu dieser Organisation gab ein Gewitter, welches am 8. April zum Ausbruche
gekommen war und von welchem 22 der eigentlichen Stationen in der Monatstabelle Meldung
gemacht hatten. Trotz der verhältnissmässig grossen Zahl meldender Stationen (zwei Drittel) war
es doch unmöglich, nachträglich ein einigermassen vollständiges Bild von dem Fortschreiten und
der Verbreitung des genannten Gewitters zu erhalten, und wurde so die Ueberzeugung
gewonnen, dass die Zahl der Stationen 2. und 3. Ordnung viel zu gering sei, um für das Studium
der Gewittererscheinungen einigermassen genügendes Materlai zu liefern.
Es wurde desshalb beschlossen, für diesen Zweck freiwillige Beobachter zu suchen, und ein
darauf bezüglicher Aufruf in verschiedenen Zeitungen zur Veröffentlichung gebracht.“
Auf diese Aufforderung liefen bald 437 Anmeldungen ein, die man, um unnöthige Häufung an
einigen Stellen zu vermeiden, auf 245 Orte reducirte. Die Zahl der berichtenden
Gewitterstationen hat, wie dies immer zu geschehen pflegt, mit den Jahren a/jointfilesconvert/330930/bgenommen [1881:
201] und ist naturgemäss mannigfachem Wechsel unterworfen. Zu interessanten Betrachtungen
kann die Vertheilung der Berufsarten der Gewitter-Beobachter Gelegenheit geben; es waren
nämlich 27% Professoren und Lehrer, 28% Personen geistlichen Standes, 7% Aerzte, 6%
Forstleute, 6% Verkehrsdienstbeamte, 5% Gutsbesitzer, 4% Apotheker und 20% Angehörige
verschiedener Stände.
Schliesslich hat das Programm der Thätigkeit der Centralstation im Jahre 1881 eine wichtige
Erweiterung durch Inaugurirung eines wettertelegraphischen Dienstes für das Königreich Bayern
erfahren, in ähnlichem, wenn auch umfassenderen Sinne, als zuerst 1878 im Königreich Sachsen
geschah. Die seit dem 1. April 1881 herausgegebenen täglichen Wetterberichte mit synoptischer
Karte stützen sich auf die Mittheilungen von 52 Stationen, welche theils direkt, theils durch
Vermittlung der Centralstellen in Hamburg, Wien und Rom berichten. Bei der telegraphischen
Uebermittlung der Witterungsaussichten oder Prognosen nützte man hier zuerst den praktischen
Vorschlag des Herrn O. E. Krause, die voraussichtliche Witterung durch fünf Buchstaben
wiederzugeben, erfolgreich aus. Eingehende Mittheilungen über die Organisation dieses
Wetterdienstes siehe bei München (B) 1, III; 5.
[Gesellschaft zur Beobachtung der Gewitter, 1820–25.] Die erste Anregung hierzu ging von J.
S. C. Schweigger aus. Kurz zuvor von Erlangen nach Halle berufen, um die Professur für Physik
an der Universität zu übernehmen, wusste er durch eine am 25. März 1820 in der
Naturforschenden Gesellschaft daselbst vorgetragene Abhandlung „Ueber Gewitter-Wolken und
Stürme, und eine zur Beobachtung ihrer Bildung und ihres Zuges bestimmten Gesellschaft“
[Schweigger 4] diese bereits im Jahre 1779 gegründete Gesellschaft dazu zu bewegen, ihre
Autorität und korporativen Einfluss bei einer diesbezüglichen öffentlichen Aufforderung geltend
zu machen, welche am Schlusse des genannten Aufsatzes in der Form erfolgte:
„Die Naturforschende Gesellschaft zu Halle an alle wissenschaftlichen Vereine in Deutschland
und namentlich an ihre sich für Meteorologie interessirenden Mitglieder.“
Halle, 25 März 1820. (gez:) Germar. Kaulfuss. Nitzsch. Schweigger.
Es ist dies meines Wissens die erste Gesellschaft, welche sich ausschliesslich das Studium der
Gewitter zum Vorwurf genommen hat, und die erst 45 Jahre später in dem
[Sp. 919/920:]
von Le Verrier in Frankreich, mittels der „Commissions meteorologiques departementales“,
geschaffenen Systeme planmässiger Gewitterbeobachtungen einen Nachfolger fand. Während
das skandinavische, das belgische und das italienische Beobachtungsnetz dergleichen
Specialstudien bald darauf ebenfalls in ihr Arbeitsprogramm aufnahmen, ist in dieser Beziehung
in Deutschland nichts geschehen, bis im Jahre 1879 die bayerische meteorologische
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