
[Sp. 895/896:]
Da die Beobachtungsinstrumente genau nach den schweizerischen Modellen [von Hermann u.
Pfister in Bern] angefertigt wurden, so konnte ohne weiteres auch, mit ganz geringen
Abänderungen, die schweizerische Instruktion für die Beobachter der meteorologischen
Stationen bei uns eingeführt werden. Bezüglich der 3 täglichen Beobachtungsstunden konnte der
gewöhnliche deutsche Gebrauch [6. 2. 10] nicht ganz adoptirt werden; es wurden, theils weil die
früheren Beobachtungen in Karlsruhe, Mannheim und Ittendorf zu diesen Stunden angestellt
wurden, theils um den Beobachtern ihr Geschäft zu erleichtern
1
), die Stunden der alten
Mannheimer meteorologischen Gesellschaft [7. 2. 9] beibehalten, In der Anordnung der
Beobachtungstabelle schloss man sich möglichst den von Dove
gegebenen Vorschriften an.“
Das Stationsnetz ist bis jetzt ein recht stabiles geblieben, dagegen haben an einigen Stationen die
Beobachter häufig gewechselt. Die von den Beobachtern schon berechneten
2
) Tabellen werden
monatlich von dem physikalischen Kabinet in Karlsruhe, dem bis auf die neueste Zeit Professor
Sohncke vorstand, gesammelt, geprüft und ein erster Auszug aus ihnen, begleitet von einer
allgemeinen Schilderung des Witterungsverlaufes, in der Karlsruher Zeitung publicirt [Karlsruhe
2.]; die ausführlichere Publikation - bis jetzt, ebensowenig wie in Württemberg, nicht nach dem
internationalen Schema, wozu allerdings das Format der Jahresberichte ungeeignet ist - erfolgt
jährlich in den bei Karlsruhe 1
aufgeführten Jahresberichten.
[Societas Meteorologica Palatina, 1780–92.] Was dem Karlsruher Professor J. L. Böckmann
und der „Baadischen Witterungsanstalt“ nicht geglückt war - die von Einzelnen gemachten
meteorologischen Beobachtungen nach einem Plane zu gestalten, an einer Stelle zu sammeln, zu
verarbeiten und zu publiciren - das gelang in dem benachbarten Mannheim in so vollkommener
Weise, dass die Mannheimer oder Pfälzische meteorologische Gesellschaft für alle Zeit als eine
der glänzendsten Erscheinungen in der Geschichte der meteorologischen Beobachtungen, nicht
blos Deutschlands, sondern der Erde überhaupt, gelten wird. Dem glücklichen Umstande, dass
der für Naturwissenschaften und deren praktische Verwerthung
3
) stets interessirte Kurfürst von
der Pfalz und Bayern, Karl Theodor, in seinem Hofkaplan und Direktor des physikalischen
Kabinets, Johann Jakob Hemmer, einen so gründlich unterrichteten, umsichtigen und
unermüdlichen Fachmann besass, ist die im Oktober 1780 erfolgte Gründung dieser Gesellschaft
lediglich zu verdanken.
Aus dem Schoosse der nach Theodor benannten kurpfälzischen Akademie der Wissenschaften in
Mannheim hervorgegangen, erhielt sie in Hemmer ihren Sekretair und wissenschaftlichen Leiter
und in einem im kurfürstlichen Schlosse selbst eingerichteten „Museum meteorologicum“ ihre
Centralstelle und ihr Centralobservatorium. Der grossartige Plan der Gesellschaft ging dahin, an
wissenschaftliche Institutionen auf der ganzen Erde einerlei und genau verificirte Instrumente
gratis zu vertheilen, um durch Vermittlung und unter Aufsicht derselben regelmässige und nach
demselben Plane angestellte meteorologische Beobachtungen zu erhalten, diese im „Museum“ in
Mannheim zu concentriren und durch möglichst umfangreiche Veröffentlichung derselben und
der zunächst daraus a/jointfilesconvert/330930/bgeleiteten Resultate die Kenntniss der meteorologischen Erscheinungen,
die bis dahin fast nur von lokalen Gesichtspunkten erfasst worden waren, in ganz neuer Weise zu
fördern.
1) Aus diesem Grunde hatten schon 1846 Plieninger und Stieffel gegen den von Mahlmann gemachten Vorschlag,
doch allgemein in Deutschland die Stunden 6. 2. 10 als Beobachtungstermine zu wählen, heftig angekämpft, so dass
die alten „Mannheimer“ Stunden sich in Süddeutschland bis auf die Gegenwart behauptet haben.
2) Abweichend von der Gepflogenheit, bei den Terminen 7. 2. 9. nur für das Mittel der Temperatur eine besondere
Formel (7+2+2x9 / 4) zu benützen, wird in Baden auch das Mittel des Luftdruckes nicht arithmetisch, sondern nach
der Formel (7+2x2+9 / 4) gebildet.
3) Veranlasst durch Hemmer’s
Studien über die Wirksamkeit der Blitzableiter zum Schutz von Gebäuden liess der
Kurfürst i. J. 1780 auf allen Schlossern und Pulverthürmen in der Kurpfalz Blitzableiter anlegen, welchem Beispiele
der Markgraf von Ansbach i. J. 1783 folgte.
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